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Judas Priest - Firepower (2018) 23.03.2018 - 20:37

Judas Priest - Firepower (2018)

Einst bescherrten die beiden Ausnahme Gitarristen K.K. Downing und Glenn Tipton Hit für Hit und gigantische Heavy Metal Alben, doch die "Metal Gods" und einzig wahren Lederjacken der guten alten Zeit sind mittlerweile in die Jahre gekommen und haben nun auch ihre beiden Aushängeschilder verloren. Vor 4 Jahren verließ K.K. Downing die Band, was für viele schon nicht zu unrecht das Ende provezeite. Jüngst wurde nun auch bekannt, das Glenn Tipton seit bereits 10 Jahren an Parkinson leidet und die aktuelle Tour abbrechen musste. Zwar bekennt sich der Gitarrist weiterhin als Mitglied der Band, aber bleiben wir mal realistisch, dann ist auch völlig klar, das das nichts mehr werden wird.  
Judas Priest ohne Tipton und Downing sind wie Motörhead ohne Lemmy oder AC/DC ohne Malcom und Angus Young - schlicht unmöglich! Es ist daher schwer vorstellbar, das nach der "Firepower" Tournee mit 2 neuen Gitarristen um Rob Halford, noch großartig was von den Priestern kommen wird, aber die Zeit der Legenden geht mittlerweile überall vorbei. Immer mehr Bands hören altersbedingt oder krankheitsbedingt auf. Immer mehr alte Helden sterben weg. Der Zahn der Zeit ist hart, härter als der Metal selbst. So muss man sich langsam damit abfinden und sich neue Helden suchen. 


Doch zurück zu "Firepower" - das vermutlich letzte Album, auf dem noch Glenn Tipton zu hören ist. Die zweite Gitarre hat unlängst Richie Faulkner übernommen, welcher seine Sache  nicht nur ordentlich macht, sondern für mein Empfinden auch einen deutlichen Touch Power Metal Riffing in die Band bringt. Ob das jedem gefällt, wird Geschmackssache bleiben. Ich persönlich finde es sehr erfrischend und ist vielleicht auch genau das was die Priester an Neuerungen gebraucht haben. Nachdem die letzten Alben zurecht massig Kritik einstecken mussten und viele Kritiker bereits über Sinn und Nutzen weiterer Judas Priest Alben diskutieren, war man gut darin beraten, sich wieder auf alte klassische Muster zu fixieren. Sieht man von dem starken Halford Comeback "Angel of Retribution" ab, folgten mit "Nostradamus" ein kompletter Totalausfall und ein sehr gewöhnungsbedürftiges "Redeemer of Souls." Somit lag das letzte wirklich gute Album von 2005 schon ganze 13 Jahre zurück. 
Legt man aber nun die aktuelle "Firepower" auf, wird man schnell feststellen, das das aktuelle Album wahnsinnig gut geworden ist. Allein beim klassischen Cover Artwork (Electric Eye lässt grüßen), werden erste Retro Züge deutlich. Das ändert sich auch bei den vorliegenden 14 Songs nicht. Judas Priest haben ordentlich rein gehauen und nochmal ein Album hingelegt, das auch Problemlos in die 80er Jahre gepasst hätte. Zwar kommt man an alte Klassiker nicht heran, doch das sollte man ohnehin nicht erwarten. Das soll allerdings nicht heißen, das "Firepower" nicht grandios geworden ist. Ganz im Gegenteil! Das aktuelle Werk ist nicht nur stark genug, um die meisten Kritiker verstummen zu lassen, sondern um auch in der aktuellen Zeit nochmal ein Ausrufezeichen zu setzen. Ein Album wie "Firepower", wo Tipton und Faulkner Riffs und Solis raushauen, die man in der Masse nichtmal bei aktuellen Bands findet, müssen andere auch erst einmal nachmachen. Halfords Stimme ist zwar längst nicht mehr die wie vor 30 - 40 Jahren, aber was der Mann noch in der Lunge hat, ist ebenfalls beeindruckend. 


Der Titeltrack "Firepower", sowie die Single "Lightning Strike" erinnern einwenig an alte Brecher ala "Painkiller", wenn auch nicht ganz so wild wie der Klassiker. "Evil Dies" hätte auch gut auf "Angel of Retribution" gepasst. Vielleicht ein ehemals aussortierter Song neu verfeinert? Wie auch immer. Was Halford hier noch an Screams reinfeuert, ist ebenfalls außerordentlich. "Never the Heroes" kommt einer typischen Priest Halbballade gleich, die sie auch früher immer wieder mal im Petto hatten. Als Beispiel sei hier nur einmal "Out in the Cold" genannt. "Necromancer" ist ein ordentlicher Stampfer geworden, während man mit "Children of the Sun" mehr auf hartes Midtempo mit zwischenzeitlichen balladesken Tönen setzt. Mit dem Instrumental Stück "Guardians" bekommt man dann aber für Priest Verhältnisse doch noch etwas neues geboten, oder haben die Metal Gods jemals zuvor ein Keyboard verwendet? Das kurze 66 Sekunden Stück dient auch gleich als Einleitung für den ungewöhnlichsten Judas Priest Song. "Rising From Ruins" könnte auch auf so manchem Power Metal Album zu finden sein. Spätestens hier wird der Einfluss von Richie Faulkner deutlich. Dennoch soll dies an dieser Stelle nicht negativ ins Gewicht fallen, der Song überzeugt völlig. Weiter gehts mit dem rythmischen Stampfer "Flame Thrower" und einer weiteren Midtempo Nummer "Spectre", in welcher Halford wieder über sich hinaus geht.  
Spätestens bei "Traitors Gate", wird es auch noch episch. Der Song stampft nicht nur vorsich hin, sondern bietet auch Rob Halford ein Brett für gesangliche Höchstleistung auf "Firepower." "No Surrender" erinnert einwenig an Kiss in 2x so hart und der Midtempo Stampfer "Lone Wolf" stellt den ersten und einzigen schwachen Album Track dar. Doch wer meint, das den Metal Gods zum Ende hin die Luft ausgeht, hat falsch gedacht. Mit "Sea of Red" kommt eine gefühlvolle Halb-Ballade daher, in der Rob Halford nochmal alle Stimmbänder mobilisiert und ein gelungenes Album gekonnt abschließt. 


Unterm Strich können Judas Priest tatsächlich auch ohne K.K. Downing auskommen. Ritchie Faulkner hat der Band definitiv einen frischen Anstrich verpasst. Das Gleiche wird allerdings kaum für Glenn Tipton gelten. Dennoch hat sich der mittlerweile 70-Jährige ein ordentliches Abschiedsdenkmal gesetzt. Das vermutlich? letzte? gute? Judas Priest Album ist 80er Jahre Retro Metal mit frischem aber dezent gewürzten Power Metal anleihen, einem Glenn Tipton der sich wirklich nochmal alles aus den Ärmeln schüttelt und einem Rob Halford, der fast! - wirklich fast noch so gut ist, wie vor 30 Jahren. Ganze 14 Tracks und nicht ein Ausfall. Lediglich "Lone Wolf" kann man als etwas schwachen aber nicht unbedingt schlechten Album Track verzeichnen. "Firepower" ist hart, retro, frisch, sehr abwechslungsreich und wird definitiv alte Fans zurück holen. So durchgehend stark waren Judas Priest meiner Meinung nach seit "Defenders of the Faith" nicht mehr und die Scheibe erschien 1984!
 

The Count für Radio Rock

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